March Madness 2026

East

Der Favorit dieser Region ist ganz klar Duke. Die Blue Devils gewannen zuletzt im Gipfeltreffen mit Michigan denkbar knapp, aber verdient mit 68:63. Cameron Boozer ist der ultimative Winner (22,5 PPG, 10,2 RPG, 4,2 APG, 62% 2er, 41% 3er). Auch wenn andere Spieler in diesem Draft-Jahrgang vielleicht verlockender auf den ersten Blick wirken, so wäre ich dennoch nicht verwundert, wenn Cam Boozer am Ende des Tages der Difference-Maker für Championship-Teams in der NBA sein und die beste NBA-Karriere haben wird.

Jetzt gilt es erstmal, die Meisterschaft in der NCAA anzugreifen. Duke ist defensiv extrem unangenehm, weil die Blue Devils auf allen Positionen sehr viel Länge haben. Sie switchen viel, überlagern die Ballseite und spielen fast eine Art Matchup-Zone. Durch die Länge der Guards und Patrick Ngongba als Rimprotector ist es gar nicht so einfach, überhaupt gute Würfe zu bekommen.

Als 2 Seed ist UConn auf dem Papier der heißeste Konkurrent um den Final-Four-Einzug in dieser Bracket-Region. Doch da wäre ich mir nicht so sicher. UConn ist durch die in diesem Jahr eher schwache Big East marschiert und wirkte dabei trotzdem nicht immer trittsicher. Viel hängt vom Shooting der Wings ab: Treffen Solo Ball (von 41% im Vorjahr auf 31%) und Braylon Mullins (35%) ihre Würfe, können die Huskies jedes Team schlagen. Doch es gibt genug Tage, an denen sie auch allzu schlagbar wirken.

Eric Reibe (6,8 PPG, 3,8 RPG in 16 MPG) hatte ein solides Freshman-Jahr im Rahmen des Erwartbaren. Für ihn wird der Sommer sehr entscheidend sein. Er muss körperlich zulegen und entsprechend körperlich auch auftreten. Seit Jugendtagen ist das so ein bisschen sein Problem: Er spielt kleiner als er ist und bringt die PS zu inkonstant auf die Straße. Dan Dakich, ehemals ESPN-Kommentator und mittlerweile verbitterter Schwurbler, sagte einst über Kristaps Porzingis, er hätte „soft eyes“ und werde deswegen nie erfolgreich sein. Ich habe das Gefühl, das Gleiche würde Dakich über Reibe sagen – unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieses Statements.

Michigan State ist da für mich schon das gefährlichere Team, wenn es darum geht, Duke den Durchmarsch ins Final Four zu vermiesen. Wie alle Teams von Tom Izzo spielt sie physisch und schnell und sind tief besetzt. Trotzdem sind sie sehr abhängig von ihrem Spielgestalter Jeremy Fears, der mit seinen Eseltritten für Aufreger sorgte und damit Grayson Allens Erbe antrat. Für mindestens einen Highlight-Dunk pro Spiel sorgt Coen Carr, der in puncto rohe Athletik sicher das größte Phänomen seit Yves Pons ist.

Kansas ist in diesem Jahr ein Enigma. Ich jedenfalls habe überhaupt kein Gefühl für die Jayhawks. Das hängt vor allem an Darryn Peterson (19,8 PPG, 4,4 RPG). Um den Freshman und potenziellen Number-1-Pick spinnt sich bereits die gesamte Saison eine bizarre Kontroverse um die Frage, ob er nicht fit ist oder keinen Bock hat zu spielen. Er beendete diverse Partien nicht, fehlte zwischendurch und spielte nur in der Hälfte (11) seiner absolvierten Matches (22) mindestens 30 Minuten. Insgesamt hat er einen Minutenanteil von unter 50%.

Mit ihm sind die Jayhawks ein anderes Team. Anders heißt aber nicht zwangsläufig besser. Es ist schwer zu beurteilen, in welcher Konstellation die Jayhawks am besten funktionieren. Das sagt selbst Hall-of-Fame-Coach Bill Self über das eigene Team. Melvin Council Jr. ist ein spannender Spieler, da er als großer, schlaksiger und schneller Guard für Wirbel sorgt.

Das spannendste Matchup der ersten Runde ist Louisville gegen South Florida. Hier tendieren viele, mich eingeschlossen, zum Upset. Warum? Das hat mehrere Gründe. Traditionell liegen 6-11 Teams spielerisch sehr nah beieinander. Dazu kommt, dass Louisville sehr abhängig vom Dreier ist und auch von Freshman Mikel Brown (18,2 PPG, 4,7 APG). Der wird ausfallen für das Match. Gleichzeitig sollte man bei den Schwächen Louisvilles aber nicht South Florida kleinreden. Die Bulls haben mit Bryan Hodgson einen sehr interessanten Coach, der perspektivisch mal ein sehr guter werden kann. Izaiyah Nelson ist ein NBA-Spieler, über den zurzeit noch niemand redet.

Für Sananda Fru (9,2 PPG, 6,0 RPG) fällt das Fazit sicherlich gemischt aus. Es stand ein wenig zu befürchten, dass er ein Opfer der üblichen College-Spielweise für Bigs wird. Rennen, Screens stellen, Rebounds holen, Würfe blocken, Reste verwerten. Eine Expansion an die Dreierlinie fand nicht statt und auch sonst hatte er offensiv wenig Touches. Immerhin: in dem, was er tun durfte, war er höchst effizient und mit seiner defensiven Vielseitigkeit dürfte er auch auf sich aufmerksam gemacht haben.

Christoph Tilly (11 PPG, 4,7 RPG) musste mit Ohio State fast mehr zittern als sein vorheriges Team Santa Clara mit Jake Ensminger, um das Teilnehmerfeld für den Tanz zu erreichen. Dennoch hat Tilly mit seinem Transfer sicher eine kluge Entscheidung getroffen. Als Starter war er ein Differencemaker für die Buckeyes. Er hat sich über die Jahre körperlich gut entwickelt und man darf gespannt sein, wo es nach der Saison für ihn hingeht. Perspektivisch ist er mit seiner Mischung aus Körper, Skill und Spielgefühl jemand, der höchstes europäisches Level anstreben kann.

Auf der Bank versauert ist Mathieu Grujicic. Dazu möchte ich eigentlich eher nicht viel schreiben, weil ich lieber March Madness zelebriere als über weniger erfolgreiche Entwicklungen zu schreiben. In Kürze: Es ist wenig überraschend, dass er wenig spielen durfte aus mehreren Gründen. 1) Auf Guard ist OSU, z.B. mit Alltime Scoring Leader Bruce Thornton top besetzt. 2) Als Spielertyp passt Grujicic nicht in die NCAA. Dafür spielt er zu wenig körperlich und ist zu abhängig von Calls/Freiwürfen. 3) Der Jahrgang 2007 ist in Europa nicht sonderlich stark. Dort herauszustechen heißt nicht automatisch, dass ein Spieler auch sofort überall und in jedem Kontext heraussticht.

Deutlich erfreulicher ist die Entwicklung von Jordan Müller (4,5 PPG in 21,1 MPG). Der Koblenzer, der einige Jahre in Ulm verbrachte, U19-Vizeweltmeister wurde und sich für Cal Baptist entschied, hat sich prima entwickelt in den letzten eineinhalb Jahren. In dieser Saison unterlag seine Spielzeit immer wieder Schwankungen, doch das ist normal für Freshmen. Zumindest ist er auch in der heißen Phase der Saison weiterhin Teil der Rotation und sammelt hinter Leader Dominique Daniels (7 Mal 30 Punkte oder mehr, Season-High 47 Punkte) sehr viel Erfahrung. Cal Baptist ist auf jeden Fall fähig, einen miesen Tag der Jayhawks zu bestrafen.

Auch Northern Iowa unter Coach Ben Jacobson ist immer für einen Upset gut. Besonders gegen Rick Pitinos Johnnies wäre das ein Bonbon.

Midwest

Wäre das Tournament im Dezember ausgetragen worden, dann wären die Michigan Wolverines ganz eindeutig der Top-Favorit gewesen. Trotz großer personeller Umbrüche spielte das Team von Dusty May in seinem zweiten Jahr dominanter als jedes andere Team. May bewies dabei wieder sehr gutes Gespür für Roster Construction. Er erinnert immer mehr an Brad Stevens.

Michigan sicherte sich im Transfer-Portal gleich drei Bigs: Yaxel Lendeborg, Morez Johnson und Aday Mara. Ich habe mich ein wenig gefragt, wie May die Spielzeit verteilen will und ob er schlicht damit gerechnet hatte, das Lendeborg einfach im Draft bleiben und nie nach Ann Arbor kommen würde. May überraschte mich mit der offensichtlichen Antwort: die drei spielen einfach zusammen in der Jumbo-Starting-Five.

Lendeborg (14,6 PPG, 7,0 RPG, 3,2 APG) hat den Sprung vom Playmaking 5er zur 3 vollzogen, die oft als Point-of-Attack-Defender Point Guards mit Länge und Athletik nervt und bei Switches kein Mismatch darstellt. Johnson (13,1 PPG, 7,2 RPG) ist der Bruiser auf der 4, der alles verarbeitet, was er bekommt – ein wenig wie Kenneth Faried oder Montrezl Harrell.

Und Aday Mara (11,6 PPG, 6,9 RPG, 2,6 BPG) ist der defensive Gamechanger. Mit seiner Länge von 2,21m ist er der Anker der Verteidigung und offensiv kann er als Passgeber und Post-Option bestechen.

Michigan musste zuletzt den Ausfall von LJ Cason hinnehmen. Zwar ist Michigan tief genug, um den Ausfall kompensieren zu können, doch es sollte nicht unterschätzt werden, wie wichtig Cason als Energizer von der Bank war.

Als ärgster Konkurrent von Michigan könnten sich die Virginia Cavaliers rund um Johann Grünloh erweisen. Die größte Stärke der Cavs ist, unter anderem dank Grünloh (11,6 Blockpercentage, NCAA-Rang 8), aber auch dank Ugonna Onyensu (17,7, NCAA-Rang 1) die Defense. Die beiden sind jeweils Top5-Rimprotectors der NCAA meiner Meinung nach. Dass sich die beiden Spielzeit auf der 5 teilen, ist purer Luxus. Entsprechend entscheidet meist die Tagesform darüber, wer ein wenig mehr spielt.

Für Grünloh war das Jahr solide. Wer offensive Ausbrüche erwartet hat, konnte nur enttäuscht werden. Darauf ist weder Grünlohs noch Virginias Spielweise ausgelegt. Wichtig wäre, dass sich der Big körperlich weiter stabilisiert, seinen Freiwurf in den Griff kriegt (54%) und sein Feeling als Pick & Roll Finisher verbessert.

Iowa State ist der nominelle 2 Seed der Region. Auch die Cyclones sind defensiv über jeden Zweifel erhaben, haben aber offensiv Fragezeichen hinterlassen. Joshua Jefferson (16,9 PPG, 7,6 RPG, 4,9 APG) ist der Playmaker als Power Forward. Oft dribbelt er in den Lowpost/Midpost-Bereich und verteilt von da die Bälle. Milan Momcilovic (49,6% bei 127 Makes) hat ein absurdes Shooting-Jahr hingelegt. Doch abseits von den beiden muss mehr kommen. Dominykas Pleta (4,5 PPG, 2,3 RPG in 11,4 MPG) konnte als Backup Big solide Minuten liefern und wird sicherlich nächste Saison eine größere Rolle spielen.

Texas Tech hätte ich als Dark Horse eingestuft. Dann kam der Kreuzbandriss von JT Toppin (21,8 PPG, 10,8 RPG)und nun wäre der Einzug ins Sweet Sixteen schon ein Erfolg. Kein anderes Team in der NCAA war so abhängig von den beiden besten Spielern des Kaders wie die Red Raiders. Grant McCasland setzt auf eine kurze Rotation mit klarer Rollenverteilung.

Das Middle Pick & Roll zwischen JT Toppin und Christian Anderson (18,9 PPG, 7,6 APG, NCAA-Rang 7 in Minuten-Anteil) war vermutlich eines der am schwierigsten zu verteidigenden Elemente in der NCAA. Nun muss Anderson noch mehr Last schultern – kaum möglich. Denn bereits vorher spielte Anderson regelmäßig (13 Mal) Spiele durch und organisierte jeden Angriff. Der Guard hat sich in jeder Hinsicht hervorragend entwickelt und wird sicherlich in der ersten Runde gedraftet werden – trotz der Tiefe des Jahrgangs.

In Kontrast zu den Verletzungen stehen die Feel-Good-Stories, die diese Region zu bieten hat. Die Story schlechthin ist Miami in Ohio. Die Redhawks sind erstmals seit Wally Szczerbiak wieder dabei. Und wie. Sie gewannen 31 Spiele ohne Niederlage. Im Conference-Tournament kassierten sie dann ihre erste Niederlage. Das befeuerte die unsinnige „Diskussion“ (= Bruce Pearl, ein Betrüger und MAGA-Anhänger, wollte Stimmung machen, damit sein Sohn und sein altes Team irgendwie noch ins Tournament kommen) darum, ob Miami gut genug sei.

Ja, sind sie. Und wie. Spätestens der First-Four-Sieg gegen SMU hat das bewiesen. Und die Redhawks haben noch mehr im Tank. Und für sie sollte der Moment nicht zu groß sein. Sie standen die letzten zwei Monate konstant im Rampenlicht und jedes Team wollte ihnen unbedingt die erste Niederlage beibringen. Sie spielen schon die ganze Zeit unter Tournament-Bedingungen.

Dann gibt es da noch Santa Clara, rund um Jake Ensminger (6,3 PPG, 5,5 RPG, 2,9 APG in 28,4 MPG). Die Broncos sind erstmals seit Steve Nash dabei! Und zwar verdient. Herb Sendek hat in den letzten Jahren einen überragenden Job geleistet und viele Talente entdeckt und entwickelt. Mit Elijah Mahi steht der nächste under-the-radar-Prospect in den Startlöchern.

Josh Schertz und Robbie Avila sind Gesichter des Erfolgs bei St Louis. Und sie waren es vorher schon bei Indiana State. 28 Siege und ein sehr ansehnlicher Basketball sprechen eine deutliche Sprache.

Und dann ist da noch Speedy Claxton. Der ehemalige NBA First Round Pick hat seine Alma Mater Hofstra zurück ins NCAA Tournament geführt. Nun besteht als 13 Seed auch direkt die Chance zum Upset gegen ein verwundbares Alabama.

South

Während die anderen 1 Seeds mehr oder weniger seit einem Monat feststanden, waren die vergangenen Wochen von der Frage geprägt, wer wohl den vierten und somit letzten 1 Seed erhaschen würde. Mehrere Teams waren in der Verlosung und am Ende schnappten die Florida Gators mit ihren Kiefern zu. Der Titelverteidiger fliegt ein wenig unter dem Radar, sofern das möglich ist. Im Schatten der drei anderen 1 Seeds erscheinen sie ein Stück schwächer, doch der Schein kann trügen.

Es brauchte schlicht ein wenig, bis die Champs ihre Abgänge verdaut hatten. Walter Clayton Jr., der überragende Mann im vergangenen Jahr war und ist nicht 1:1 zu ersetzen. Boogie Fland (11,6 PPG) und Xaivian Lee (11,5 PPG) mussten sich an die in sie gesetzten Erwartungen gewöhnen. Und Florida musste wiederum lernen, dass sie dem Team auf andere Weise helfen als Clayton. Lee ist defensiv eine Pest, wohingegen Ellis den Scoring-Teil übernimmt. Die beiden harmonieren in den letzten Wochen zusehends besser. Von ihnen wird abhängen, wie weit Florida kommt.

Eine Sondererwähnung verdient Thomas Haugh (17,1 PPG, 6,2 RPG). Ähnlich wie Michigan stand auch Florida Coach Todd Golden vor einer schwierigen Entscheidung: wie schaffe ich es, dass alle meine Frontcourt-Spieler genug Minuten bekommen. Die Antwort war auch hier simpel. Alle spielen einfach gleichzeitig in einer Jumbo-Lineup. Das bedeutete aber auch, dass Haugh von der 4 auf die 3 rutschte, was in Floridas System aber bedeutet, dass Haugh alles von Grund auf neu lernen musste. Doch das könnte sich in doppelter Hinsicht bezahlt machen. Haugh ist nämlich so sehr mit Skills und Köpfchen ausgestattet, dass er diesen Switch gemeistert hat. Dadurch kann Florida stets die besten fünf Spieler gleichzeitig spielen lassen und Haugh hat sich als Spieler enorm weiter entwickelt und dürfte ein Lottery Pick sein.

Eine offene Rechnung würde Houston gerne begleichen. Im Elite Eight könnte es zu einer Neuauflage des letztjährigen Finales kommen. Insbesondere Emanuel Sharp dürfte darauf brennen. Dem hatten in Houstons letztem Angriff seine Nerven einen Streich gespielt, sodass er keinen guten Wurf mehr zur Siegchance loswurde.

Houston ist in dieser Saison etwas anders aufgestellt als in den Vorjahren, wo vor allem die Defense und die Physis am Brett gegnerische Team schier auseinanderbrechen ließen. Kingston Flemings (16,4 PPG, 3,9 RPG, 5,3 APG) ist ein überragender Freshman und eine der Entdeckungen der Saison. Von seinem offensiven Output wird abhängen, wie weit Houston kommt.

Apropos offensiver Output: Illinois ist ein historisch gutes Offensivteam. Brad Underwood hat sich in den letzten zehn Jahren etwa drei Mal neu erfunden und sucht immer wieder Wege, um möglichst erfolgreich zu sein. Sein neuester Ansatz: Spieler vom Balkan rekrutieren. Ihm gefällt deren gute basketballerische Grundausbildung gepaart mit einer Mentalität, die seiner eigenen ähnelt. Die Ivisic-Zwillinge, David Markovic, Andrej Stojakovic und Mihailo Petrovic könnten eine eigene Starting Five bilden.

Allerdings würde das bedeuten, dass Keaton Wagler (17,9 PPG, 4,8 RPG, 4,4 APG) außen vor bleiben müsste. Das wäre eine Schande. Die Parallelen zu Tyrese Haliburton sind verblüffend, auch wenn sich die beiden dann doch in Details voneinander unterscheiden. Dazu lohnt sich die Lektüre von Athletic-Autor CJ Moore.

Illinois muss defensiv aber irgendwie genug Stopps zusammenbekommen, um die ersten Runde unbeschadet zu überstehen. Das dürfte gegen Penn gar nicht mal so einfach werden. Beflügelt vom March-Madness-typischen Heldenepos von TJ Power, ist Penn direkt mal ein harter Prüfstein.

Insgesamt wirkt die South Region sehr offen und es ist kaum vorherzusehen, wer wie weit kommen wird. Die 4/5 Seeds Vanderbilt und Nebraska sind genauso Überraschungstüten wie die 10/11 Seeds Texas A&M und VCU. Von einem frühen Erstrundenaus bis tiefen Run kann bei diesen Teams alles realistisch sein.

West

Ich möchte es nicht jinxen. Aber dieses Jahr muss einfach das Jahr sein, in dem Arizona endlich nach 25 Jahren wieder ins Final Four einzieht und auch die Chancen auf die erste Meisterschaft seit 29 Jahren stehen so gut wie lange nicht mehr. Arizona war lange Zeit ungeschlagen, verlor nur zwei Spiele – das eine in Kansas, wo Dinge passieren, die sonst nirgendwo passieren, und das andere nach Verlängerung. Nur zwei Mal ließ Arizona in der gesamten Saison einen 10:0-Lauf gegen sich zu. Kein anderes Team war über die Saison so konstant. Zuletzt gewann Arizona per Jaden Bradley Buzzerbeater das wohl beste Spiel der bisherigen NCAA-Saison, das schon Final-Four-Charakter hatte. Letzten Endes bin ich als Arizona-Fan aber schon jetzt beseelt durch diese Saison und kann nur hoffen, dass Tommy Lloyd lange Coach in Tucson bleibt.

Mittendrin ist Ivan Kharchenkov (10,1 PPG, 4,1 RPG, 2,3 APG). Ich hatte lange im vergangenen Frühjahr gehofft, dass Kharchenkov sich für Arizona entscheiden würde. Nachdem klar war, dass Carter Bryant im Draft bleiben würde, war er der perfekte Ersatz als Starter auf der 3. In Arizona hat er sich innerhalb eines Jahres zum Fanliebling entwickelt. Immer wieder stachelt er die Fans an, gibt seinem Team in der Defense Energie und sorgt offensiv für die Big Plays. Wenn ich mal viel Zeit habe, steht ein „Highlight-Mix“ seiner Winning-Plays auf meiner to-do-Liste. Vier bis sechs Siege in den kommenden Wochen würden die Wahrscheinlichkeit eines solches Videos erhöhen.

Der Weg ins Final Four wird jedoch durchaus steinig und birgt das Potenzial für einige brisante Matches. Schon in der zweiten Runde wartet da mit Utah State möglicherweise ein sehr unangenehmer 9 Seed. Die Aggies sind zum vierten Mal in Serie dabei und Jerrod Calhoun hat sich anders als seine beiden Vorgänger dazu entschieden, auch ein zweites Jahr bei Utah State zu coachen. Dafür wurde er belohnt mit 28 Siegen und einer Tournament-Teilnahme. Mason Falslev (16,1 PPG, 5,8 RPG, 3,1 APG) ist einer der spannendsten Spieler des Teilnehmerfeldes, weil er dem gleichen Team drei Jahre lang die Treue hielt und sich kontinuierlich gesteigert hat.

Wisconsin oder Arkansas könnten im Sweet Sixteen auf Arizona warten. Beides sehr unangenehme Teams. Wisconsin wäre insofern geradezu poetisch, weil Arizona 2014 und 2015 in der TJ-McConnell-Ära so nah wie nie am Final Four dran war, nur um beide Mal von den Dachsen rausgeworfen zu werden. Rache wäre süß, aber Wisconsin ist mit der Firepower von 1 bis 5 ein schwieriges Matchup.

Wisconsin wiederum muss erstmal das Erstrundenmatchup gegen High Point gewinnen. High Point ist ein extrem gefährlicher Mid-Major, dem ich den Upset zutraue. Sie haben alles, was es braucht – und für die kommende Saison hat mit Jared Grey schon ein BBL-Spieler sein Commitment gegeben.

Arkansas ist unberechenbar. Sie gewannen am Selection Sunday noch das SEC Tournament und leben von Darius Acuff Jr. (22,9 PPG) Wenn für die Razorbacks die Dreier fallen, sind sie brandgefährlich.

Auf der anderen Seite des Brackets sind Gonzaga und Purdue die vermeintlichen Favoriten. Gonzaga muss BYU und Star-Freshman A.J. Dybantsa (25,3 PPG) ausschalten. Seit dem Kreuzbandriss von Richie Saunders ist Dybantsa noch mehr Alleinunterhalter. Die Cougars sind aber defensiv nach wie vor katastrophal. Bei Gonzaga gilt abzuwarten, wie gut sie dieses Jahr sind. Das Elite Eight traue ich ihnen zu. Verglichen mit ihren Final Four Teams fehlt aber das nötige Etwas.

Auch Purdue spielt eine seltsame Saison. Zwischenzeitlich wirkten die Boilermakers wie das beste Team der NCAA, hatten dann aber zur Saisonmitte ein tiefes Leistungsloch. Zuletzt gewannen sie das Big Ten Tournament, doch überzeugt bin ich immer noch nicht. Braden Smith muss zu viel machen. Den Alltime-Assist-Rekord wird er auf jeden Fall brechen.

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